Ohrenanlegen - eine kosmetische Operation?
Ein Interview mit dem Erfinder der Fadenmethode , Privatdozent Dr. med. Waldemar Merck
Viele Erwachsene leiden unter mangelndem Selbstbewusstsein und Minderwertigkeitskomplexen. Bereits als Kinder wurden sie wegen ihrer „Segelohren“ gehänselt. Diese Erfahrung hat auch der Erfinder der Fadenmethode, Dr. Waldemar Merck, nach Gesprächen mit über 5000 seiner Patienten gemacht.
Herr Dr. Merck, sind abstehende Ohren für die Patienten mehr ein ästhetisches oder eher ein psychisches Problem?
Dr. Merck:
Die Krankenkassen und leider auch viele Ärzte gehen von der Vorstellung aus, dass Erwachsene unter ihren abstehenden Ohren nicht leiden, weil sie sich angeblich an diese gewöhnt haben. Das ist auch ein Grund, weshalb die Krankenkassen die Kosten bei Erwachsenen nicht übernehmen. Sie meinen, dass es sich hier um rein kosmetische Operationen handelt.
Meine Erfahrung zeigt, dass erwachsene Menschen oft mehr unter abstehenden Ohren leiden als Kinder. Ich werde deshalb, notfalls gerichtlich, dafür kämpfen, dass die Kassen auch bei Erwachsenen diese Operationen bezahlen.
Warum wurden und werden mehr Kinder mit abstehenden Ohren nach der „alten“ Methode operiert als Erwachsene?
Dr. Merck:
Aus meiner Zeit an der Universitätsklinik weiß ich, dass wir damals nur wenig Erwachsene mit abstehenden Ohren operiert haben. Das lag daran, dass die Erwachsenen die blutigen Methoden zur Anlegung abstehender Ohren mit ihren vielen Risiken nicht wünschten. Kinder haben da keine Wahl. Sie müssen sich den Erwachsenen beugen, ob sie wollen oder nicht. Das ist mit unnötigen Schmerzen, langzeitigen Verbänden und oft auch Krankenhausaufenthalten verbunden. Ich bin froh, dass ich insbesondere den kleinen Patienten die von mir entwickelte, minimal invasive Dr. Merck’sche Fadenmethode anbieten kann. Mit dieser Methode werden auf einfache und schnelle Weise die Ohren ambulant angelegt.
Interessant ist, dass jetzt nicht nur mehr Kinder, sondern auch wesentlich mehr Erwachsene zur Operation kommen. Es hat sich gezeigt, dass bei Erwachsenen ein riesiger Nachholbedarf besteht. Diese haben jetzt keine Angst mehr.
Glauben Sie, dass sich die psychische Befindlichkeit ihrer Patienten verbessert?
Dr. Merck:
Wie ich schon gesagt habe, die psychischen Probleme von Erwachsenen sind oft intensiver als bei Kindern. Nur reden die Erwachsenen nicht gerne darüber.
Ich möchte Ihnen zwei Fälle aus meiner Praxis schildern: Ich hatte einen 53- jährigen Patienten, der, wie bei mir üblich, mit dem Spiegel in der Hand die Position seiner Ohren mitbestimmen durfte. Als das erste Ohr angelegt war und er es im Spiegel sah, begann er in einem Ausmaß zu weinen, wie ich es bisher noch bei keinem Mann gesehen hatte. Er hat sich dabei am ganzen Körper geschüttelt. Da ich im Moment nicht wusste, was das zu bedeuten hatte, blickte ich ihn besorgt an. Er sah in meinen Augen meine Betroffenheit und entschuldigte sich und meinte, ich sollte dies bitte nicht falsch verstehen, aber er könne im Moment nicht begreifen, dass ich ihm in einer Stunde etwas wegoperiert habe, worunter er sein Leben lang gelitten habe.
Ein anderer Fall: Eine 33jährige Patientin sagte zu mir, „Herr Doktor, was niemand weiß, kann ich Ihnen verraten. Ich war noch nie in meinem Leben in einem öffentlichen Schwimmbad, weil ich immer Angst hatte, dass man mich einmal versehentlich ins Wasser wirft und dann beim Auftauchen zu sehen ist, was ich bisher immer unter meinen langen Haaren versteckt hatte, nämlich meine abstehenden Ohren.
Wenn ich sehe, wie sehr Menschen mit ihren abstehende Ohren leiden, bin ich glücklich, mit meiner einfachen Methode helfen zu können.
Sie haben in den letzten Jahren Tausende von Ohranlege-Operationen nach Ihrer Methode vorgenommen. Wie sind ihre Erfahrungen?
Dr. Merck: Ich habe statistische Untersuchungen zu diesem Thema gemacht. Die Auswertung hat ergeben, dass jeder von mir operierte Patient in irgendeiner Form unter psychische Belastungen litt, bis hin zur Reduzierung des Selbstwertgefühls oder der Selbstsicherheit. Dies wirkt sich negativ bei Partnerschaften oder selbst bei Vorstellungsgesprächen anlässlich von Bewerbungen aus. Zu dem Ergebnis dieser Erhebungen passt auch, dass keine kosmetische Operation so dankbare Patienten hervorbringt, wie ich dies immer nach dem Anlegen der abstehenden Ohren mit meiner Methode erlebe. Man kann es grundsätzlich an den Augen ablesen. Oft kommen spontane Bemerkungen wie z.B. „unglaublich“ oder „nicht zu fassen“. Immer wieder fallen mir auch Patienten am Ende der Operation dankbar um den Hals. Nicht selten erhalte ich Dankesschreiben, oft mit beigefügten Fotos. Sie füllen inzwischen einen ganzen Aktenordner. Früher, vor der Erfindung meiner neuen Methode, als ich noch nach der herkömmlichen Methode Ohren anlegte, habe ich nicht ein einziges Dankesschreiben erhalten.
Herr Dr. Merck, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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